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Flexibel, aber mit klaren Regeln: Die New-Work-Chance

Michael Bartz ist Professor am Department of Business an der IMC FH Krems und befasst sich intensiv mit Spielregeln für mobil-flexibles Arbeiten.

Prof. Michael Bartz: Interessant ist, dass unflexibles Arbeiten kaum noch vorstellbar ist. Die Auswertungen von Bewerbungsplattformen zeigen uns deutlich, dass innerhalb der jungen Generation rund 70% Jobangebote ausklammern, die kein flexibles und mobiles Arbeiten ermöglichen. Diese Benefits sind zu Hygienefaktoren geworden.

#BusinessChange: Flexibles Arbeiten ist also Grundvoraussetzung?

Firmen, die darauf verzichten, haben großes Nachsehen auf dem Arbeitsmarkt. Angesichts des Fachkräftemangels und der Tatsache, dass große Teile der Babyboomer-Generation bis 2032 in Pension gehen, werden in den Jahren bis dahin zahlreiche Stellen frei – 40 bis 50%. Nur attraktive Arbeitgeber haben unter diesen Voraussetzungen die Chance, zu wachsen, unattraktive werden stagnieren oder sogar schrumpfen, weil sie nicht aufstocken bzw. nicht alle Stellen nachbesetzen können.

 

#BusinessChange: Unternehmen sind also unter Druck. Wie müssen sie reagieren?

Das stimmt, es liegt aber auch viel Potenzial in mobilen, flexiblen Arbeitsweisen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sind sie besonders interessant, da diese meist über eine deutlich dünnere Finanzdecke verfügen. Büroinfrastrukturkosten lassen sich durch Home Office, Shared Desks oder unterschiedliche Arbeitszeiten verringern. Zudem wissen wir aus der Psychologie, dass das Lösen von Problemen oft an anderen Orten als dem Büro besser funktioniert. Ortswechsel fördern die Kreativität und führen zu besseren Ergebnissen. Unsere jüngsten Experimente zeigen auch ein interessantes Verhältnis zwischen Flexibilität und Gehalt. Unternehmen, die keine mobilen, flexiblen Arbeitsformen anbieten, müssten demnach 15 bis 20% mehr Gehalt bezahlen, um diesen Nachteil zu kompensieren. Positiv formuliert könnte man auch schlussfolgern, dass Firmen mit flexiblen Arbeitsformen neue Mitarbeitende sogar trotz etwas geringerer Gehälter für sich gewinnen können.

 

#BusinessChange: Worauf muss geachtet werden, wenn man flexible Arbeitsformen einführt?

Klare Regeln sind umso wichtiger, genauso wie Prozesse zu definieren. Früher war es kein Problem, drei verschiedene Unterschriften unter ein Dokument zu bekommen. Heute sitzen die Menschen aber vielleicht irgendwo verstreut, dafür braucht man eine Lösung. Man muss die Organisation von Abläufen und Abstimmungsprozesse sehr gut durchdenken. Wir untersuchen gerade intensiv, welche Bereiche sich zu regeln lohnen und welche sich von selbst einpendeln, um Unternehmen bei der individuellen Spielregelentwicklung entlang ihres kulturellen Kontextes unterstützen zu können. Regeln sind aber nicht nur aus Unternehmenssicht notwendig, sondern auch im Sinne nachhaltiger Produktivität und Leistungserhaltung. Gerade die jungen Generationen sind medienüberfrachtet und haben Probleme, Arbeit von Freizeit abzugrenzen. Zum Schutz ihrer Work-Life-Balance sind klare Regeln wichtig und werden erwartet.

 

Zur Person:

Michael Bartz ist Professor am Department of Business an der IMC FH Krems. Der langjährige Industriemanager – u.a. tätig für Philips, Capgemini, Microsoft – und Herausgeber des Buches Unternehmen der neuen Generation leitet den Forschungsbereich New World of Work, befasst sich intensiv mit Digital Business Innovation and Transformation sowie Spielregeln für mobil-flexibles Arbeiten.

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