Placeholder

Mobilität

Micro statt Masse: Marken in der digitalen Welt.

  • Vorheriger
  • Artikel
Placeholder

Mobilität

Mobile Generationen wollen anders arbeiten

  • Nächster
  • Artikel

Lesedauer

6 Minuten

Mobilität

Sind Sie reif für Slowbalisation und Globotics?

„Ja, wir haben in der Digitalisierung aufgeholt, aber wir sind vor allem in den Köpfen noch nicht so weit, dass wir all die enormen Entwicklungen wahrnehmen können“, sagt Androsch.

Die Globalisierung ist nicht aufzuhalten. Aber sie wird sich, nicht zuletzt dank Corona, verändern.

Gespräche mit Hannes Androsch sind spannend. Man kennt den Industriellen, Aufsichtsratsvorsitzenden des AIT Austrian Institute of Technology und Vorsitzenden des Forschungsrates als strengen Kritiker des Forschungs-, Innovations- und Bildungssystems. Aber Androsch ist auch aufmerksamer Kosmopolit und Autor zahlreicher Fachbücher. So ließ er jüngst bei einem Gespräch die Worte „Slowbalisation“ und „Globotics“ einfließen. „Da kommen enorme Veränderungen auf unsere Betriebe, aber auch auf ganz Europa zu“, sagte er. Diese Begriffe ergänzen Themen wie die Überalterung unserer Gesellschaft, die Digitalisierung oder den Klimawandel.

 

Die Weltwirtschaft steht vor massiven Umbrüchen...

...deren Auswirkungen auf Österreich nicht lange auf sich warten lassen werden. „Ja, wir haben in der Digitalisierung aufgeholt, aber wir sind vor allem in den Köpfen noch nicht so weit, dass wir all die enormen Entwicklungen wahrnehmen können“, sagt Androsch. Da ist das Bildungswesen gefragt, da sind auch die Menschen selbst gefragt – sie müssen ihre digitalen Fähigkeiten ausbauen. Aber vor allem geht es darum, in Hinblick auf Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz oder Robotik viel mehr zu tun. „Maschinelle Intelligenz macht uns Konkurrenz, aber sie macht uns nicht arbeitslos. Die Furcht vor technologiebedingter Massenarbeitslosigkeit ist so alt wie die Wirtschaft selbst. Historisch betrachtet entstanden bei wirtschaftlichen Umbrüchen schon mittelfristig viel mehr neue Stellen, als alte verschwanden.“

Diese Chancen der Digitalisierung gilt es zu nutzen – und gleichzeitig Strategien für ein sich dramatisch veränderndes Umfeld zu entwickeln: „Wir erleben, nicht erst seit Corona, eine Phase der Slowbalisation.“ Darunter versteht man, vereinfacht gesagt, die Verlangsamung des globalen Wachstums bzw. Welthandels. Kennzeichen sind der massive Rückgang bei ausländischen Direktinvestitionen (FDI), bei grenzüberschreitenden Investments großer multinationaler Konzerne und bei genehmigten grenzüberschreitenden Bankkrediten sowie ein verstärkter nationaler Anspruch im internationalen Handel, der zugleich geopolitische Unsicherheiten erzeugt. Die Firmen werden vorsichtig, die Politik wirkt teils ratlos, teils irrlichternd. Es ist eine Zeit der Re-Nationalisierung, die durch Corona noch verstärkt wurde.

 

Langfristiger Trend

Diese Entwicklung trifft auf einen weiteren langfristigen Trend, der sich aus der Digitalisierung und der nächsten Welle der künstlichen Intelligenz ergibt: „Es entstehen ganz neue Arbeitsformen, die enormen Druck auf die bestehenden Sozial- und Gesellschaftssysteme ausüben“, so Androsch. Er verwendet dafür den in der Community neu etablierten Fachbegriff „Globotics Transformation“. Dieser bezeichnet eine neue Zeit der Telemigration und eines „Talente-Tsunamis“ – einen Umbruch in der Arbeitswelt.

Denn dank Digitalisierung und Machine-to-Machine-Learning können immer mehr Menschen auf der Welt Dienstleistungen anbieten. „White Collar Robots“ werden eine neue Phase der Automation einleiten, „Remote Intelligence“ und „Artificial Intelligence“ ergeben eine Kombination, welche die Arbeitswelt massiv verändern wird. „Die meisten österreichischen Unternehmen sind auf diese Themen noch nicht vorbereitet“, sagt Androsch. Daher ist es jetzt notwendig, sich damit auseinanderzusetzen. Für den Industriellen Hannes Androsch heißt das u. a.: „Digitalstrategien entwickeln und umsetzen, digitale Fähigkeiten der Mitarbeiter ausbauen, die besten Talente im Markt suchen, Geschäftsmodelle hinterfragen – und kluge Kooperationen mit anderen Unternehmen, aber auch mit Forschungseinrichtungen oder Universitäten eingehen. Wer jetzt den Zug verpasst, verspielt seine Zukunft.“

Artikelübersicht