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Exoskelett: Ein Stück mehr Lebensqualität

Werner Rosenberger trainiert regelmäßig mit dem Exoskelett. Foto: privat

ConnectLife traf einen, der das Exoskelett in Österreich als einer der ersten testete, den Niederösterreicher Werner Rosenberger, und befragte ihn über seine Einstellung zu Machine2Machine, Künstliche Intelligenz, 5G, Digitalisierung und wie ihm die Technik im Alltag hilft.

Spätestens seit dem Interview mit Gregor Demblin mit Claudia Stöckl bei "Frühstück bei mir", ist den meisten Österreichern eine neue Technik bekannt, die für viele Querschnittgelähmte eine große Chance darstellt. Nämlich die Chance, für einige Zeit aufrecht stehen und gehen zu können. Exoskelett ist ein bionischer Anzug, der über der Kleidung getragen werden kann und ganze 27 Kilogramm wiegt. Das Training mit dem Exoskelett hat zahlreiche positive Nebenwirkungen: Nervenschmerzen, Krämpfe, die Blasen-Darmfunktion sowie das allgemeine Wohlbefinden verbessern sich. Und vor allem: Das Erlebnis, wieder aufrecht zu stehen, bringt viel Motivation. Neben Gangtraining für Querschnittgelähmte kann das Exoskelett auch nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose sowie bei neurologischen Krankheiten, die zu Bewegungseinschränkungen der unteren Extremitäten führen, genutzt werden. Das Aufrichten ist eine neue Situation für das Herz-Kreislaufsystem, plötzlich werden die unteren Extremitäten mehr durchblutet, deshalb gibt es zeitliche Grenzen in der Therapie.

Werner Rosenberger bei der Arbeit für WACA. © AUVA Jacqueline Godany

A1: Herr Rosenberger, wann haben Sie das erste Mal mit dem Exoskelett trainiert?

Werner Rosenberger: Im Oktober 2018 war das erste Schnuppertraining.

 

A1: Wie oft findet seitdem das Training statt?

Seit Dezember 2018 trainiere ich regelmäßig, ca. alle 3 Wochen.

 

A1: Welche Gefühle verbinden Sie mit dem Aufrecht-Stehen und Gehen?

Da ich einen inkompletten Querschnitt habe und aufrecht stehen und mit Unterstützung einige Schritte selbst gehen kann, war es für mich wichtig, das Exoskelett als Trainingsgerät zu sehen. Da das Gerät Funktionen und Muskeleinsatz erkennt unterstützt es hier meine Gehbewegungen. Mit dem Exoskelett kann man viel effizienter trainieren, da die Stütze des gesamten Körpers weg fällt und dadurch viel mehr Bewegung in einer Therapieeinheit gemacht werden kann als mit einer klassischen Physiotherapie oder mit dem Rollator. Außerdem unterstützt es auch die ergonomische Gehbewegung und gleicht Ungleichheiten von rechter und linker Seite aus. Das Training reduziert auch meine Spasmen, da die Muskeln viel aktiver bewegt werden. Für mich ist es wie für jeden anderen Sportlichen das Laufen gehen vor dem Büro. Der Kreislauf kommt in Schwung und die Kreativität wird gesteigert.

 

A1: Zuletzt traf man Sie in Schladming auf der Piste an, wo Sie einen Skitag gemeinsam mit einem Therapeuten absolvierten. Inwieweit bereichern diese außerordentlichen sportlichen Events ihren Alltag?

Es war ein unglaubliches Erlebnis, wieder mal nach 15 Jahren auf der Piste zu stehen und einen Hang hinunter zu wedeln und das gemeinsam mit meinen Kindern. Alleine kann ich diesen Schibob nicht bedienen aber mit Unterstützung eines Schilehrers ist Schifahren und auch mit dem Lift wieder rauf kommen wieder möglich. Ich war früher gerne immer am Berg und im Winter ist es mit Rollstuhl schwierig im Schnee weiter zu kommen. Ich bin ein sehr aufgeschlossener Mensch und deshalb probiere ich alle möglichen Sachen aus. Mein nächstes Ziel ist Paragleiten. Das hab ich noch nie gemacht.

A1: Was halten Sie von Pflegerobotern, die derzeit vor allem in der Altenpflege eingesetzt werden?

Ich glaube, wir sind hier noch in den Kinderschuhen, was zukünftig alles mit Robotik, KI und IoT sowie mit einer gut funktionierenden Sprachein- und -ausgabe möglich sein wird. Grundsätzlich finde ich eine Unterstützung in der Pflege sicherlich sinnvoll, da hier einerseits die Pflegekräfte entlastet werden können, wie z.B. bei schweren Tätigkeiten aber auch als Unterstützung für kleine Handreichungen. Andererseits können Pflegeroboter älteren Menschen einen Zeitvertreib bieten und auch der Demenz mit speziellen Programmen entgegenwirken. Sinnvoll sind auch automatische Erinnerungen zur Medikamenteneinnahme oder laufende Eruierung von Vitalparametern. Die menschliche Komponente sollte keinesfalls komplett weggelassen werden, auch nicht bei der Pflege, da menschliche Berührungen und Kommunikation ein Wohl für die Seele sind. Meine Hoffnung ist, dass durch den Einsatz von Pflegerobotern zukünftig für das Zwischenmenschliche mehr Zeit bleibt und hier nicht Arbeitskräfte wegrationalisiert werden.

 

 

Israel ist in den letzten Jahren zu einem Hotspot von innovativen Start-ups geworden. Foto: Deligation in Tel Aviv, Mai 2019.

A1: Zuletzt reisten Sie mit einer Deligation "Accessibility Technology & Innovation" nach Israel. Israel ist ja laut WACA (Web Accessibility Certificate Austria) zu einem Vorzeigeland im Bereich Apps für Menschen mit Behinderungen geworden. Was für Erfahrungen haben Sie gemacht?

Israel ist in den letzten Jahren zu einem Hotspot von innovativen Start-ups und Hochtechnologieunternehmen geworden, also nicht nur von Apps sondern auch technologische Unterstützungen, die das Leben für Menschen mit Behinderungen erleichtern sodass sie auch wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Gespräche mit Start ups zeigten, dass hier unbeschreibliches Potenzial möglich ist. Ein Teil der Delegation waren auch österreichische Start ups, die ihre Innovationen mit anderen austauschen konnten. Solche internationalen Vernetzungen sind ein extremer Innovationsschub für alle Beteiligten. Ich möchte mich hier nochmals für die Organisation bei der Außenwirtschaftskammer und der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs bedanken. Und diese Reise wird jetzt regelmäßig stattfinden.

A1: Was ist Ihre Aufgabe bei WACA?

Ich war zuständig für die Entwicklung und Markteinführung des neuen Zertifikats der OCG und leite das gesamte Projekt jetzt auch weiter. Ziel der Initiative ist es, barrierefreies Web (Web Accessibility) bei Stakeholdern und Verantwortlichen in Unternehmen zu platzieren und zu sensibilisieren, damit künftig das Thema standardmäßig bei einem Relaunchprozess mitbedacht wird. Es ist ähnlich wie bei baulichen Maßnahmen, nachträglich wird es immer teurer. Heutzutage erkennt man gar keinen Unterschied mehr, ob eine Website barrierefrei für jeden zugänglich ist, deshalb zertifizieren wir Websites um die Konformität nach den internationalen Richtlinien der W3C zu bestätigen und Websites auszuzeichnen, damit auch User die gesetzten Maßnahmen nach außen hin erkennen.

A1: Eine Welt ohne Barrieren: Was ist ihre persönliche Zukunftsvision?

Es sollen zukünftig keine Menschen mehr von Informationen und Dienstleistungen im Internet ausgeschlossen werden, bedenkt man die Zielgruppe (ca. 15% der Bevölkerung in Europa haben eine temporäre oder langfristige Einschränkung) auch in Hinblick auf den demografischen Wandel, sollte hier bei der Entwicklung von Websites nicht auf die grundlegenden Kriterien der Web Accessibility vergessen werden.  Barrierefreiheit sollte nicht als Hindernis und Mehraufwand gesehen werden, sondern als Zusatznutzen und gelebte Inklusion.

Besonders stolz ist Werner auf seine Familie und die Möglichkeit, sich mithilfe persönlicher Assistenz beruflich entfalten zu können. © Tom Weilguny

A1: Welche Vorteile bringt die Digitalisierung gerade für Menschen mit Behinderungen?

Einerseits Erleichterungen im täglichen Leben, andererseits Partizipation am gesellschaftlichen Leben wie auch im Arbeitsprozess. Derzeit gibt es schon unzählige Beispiele wie Augensteuerung, Screenreader (Voice over…), Minikamera Orcam, assistierende Technologien, Ersatz von Gliedmaßen, Smart Home usw. Wichtig werden in Zukunft Sprachein- und -ausgaben in Kombination mit AI werden. Heutzutage kann man schon simultan mit einem App gesprochenes Wort in zwei unterschiedliche Sprachen übersetzen, insgesamt für über 70 Sprachen schon möglich. Dadurch fällt auch die sprachliche Barriere weg. Das hab ich selbst in Israel getestet, von arabisch in Englisch und retour, da ich im Westjordanland eine Polizeikontrolle gehabt habe und die kein Englisch konnten.

 

A1 : Für unsere Gaming-Community: Sie empfehlen die Xbox Adaptive Controller als barrierefreie Verpackung. Was ist das und warum?

Diese Verpackung ist meines Wissens nach einzigartig, diese können auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität/Handfunktion leicht öffnen, dafür gibt es ein eigenes Video. Dieser Controller ist auch für Menschen mit verschiedensten motorischen Einschränkungen entwickelt worden.

A1: Was sind barrierefreie Webinhalte?
Grundsätzlich, dass Websites für jeden zugänglich sind. Nach den WCAG Richtlinien gibt es 4 Prinzipien: Eine Website soll wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust (gegenüber Fehlern) sein.
Wichtige Tools sind Skalierbarkeit, Tastaturbedienbarkeit und Bedienbarkeit mit einem Screenreader, Alternativtexte bei Bildern und Grafiken, Beschreibung und Bildunterschriften bei Videos (hat auch Vorteile für SEO), guter farblicher Kontrast (hat auch Vorteile für jeden wenn man länger am PC arbeitet), Überschriftenhierarchie, strukturiert, nicht überladen, intuitiv, kontextbezogen, verständliche Texte (dies hat alles auch Vorteile für die Usability).

 

A1: Noch eine persönliche Frage: Auf was sind Sie am meisten stolz?

Auf meine Familie und die Möglichkeit, dass ich mich mit persönlicher Assistenz beruflich entfalten kann.

Foto Titelbild: (c) Jürgen Skarwan

 

 

 

Hintergrund: In Österreich hat tech2people Gründer Gregor Demblin mit der Unterstützung namhafter Sponsoren das erste österreichische Therapieprogramm mit Exoskelett gestartet. Seine elektrischen Motoren bewegen die Beine und ergänzen oder ersetzen Muskelfunktionen. Dank tech2people stehen im Ordinationszentrum der Privatklinik Döbling ambulante Trainings mit Physiotherapeuten allen Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit zur Verfügung.

Hinweis: Die Std. kostet offiziell 300 €, für den Nutzer kommt die Einheit auf, 90 €, den Rest tragen vorerst Sponsoren. Die Therapie kann auch bei der Krankenkasse als Physiotherapie eingereicht werden.

 

In Zukunft werden derartige Innovationen kaum zu bremsen sein. Die Motivation an Forschungen die das Leben von Menschen verbessert wächst immer weiter. Natürlich braucht es für die Umsetzung von derart bahnbrechenden Forschungen und Entwicklungen die passende Infrastruktur. Minimale Verzögerung in der Datenübertragung, 100mal schnellere Übertragungsgeschwindigkeit als das aktuelle LTE-Netz und modernste Energieffizienz vom neuen 5G-Netz, liefern eine solche Infrastruktur, die Forschung und Entwicklung in neue Ebenen hebt und internationale Zusammenarbeit in Echtzeit möglich macht.

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