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Die Branche ist im totalen Umbruch

"Das Programm 2020 hält viele musikalische Highlights bereit" meint Philipp Stein, Geschäftsführer von Grafenegg. © Lukas Beck

Aufgrund der aktuellen Situation im Zusammenhang mit dem Coronavirus musste das Programm des 14. Grafenegg Festivals angepasst werden. Grafeneggs weitläufiger Schlosspark und die geräumige Bühnensituation am Wolkenturm spielten dabei dem Team um Rudolf Buchbinder in die Hände. Mit seinem 32 Hektar großen Freigelände und der Open-Air-Bühne Wolkenturm bietet Grafenegg deutlich bessere Voraussetzungen für die Durchführung von Konzerten als andere Spielorte in Österreich. Wie sich das Team nachhaltig und rasch auf neue Herausforderungen einstellte und mit welchen Highlights die Besucher 2020 verwöhnt werden, erfahren wir im Interview mit Philipp Stein, Geschäftsführer von Grafenegg.

Es ist Ihnen gelungen, binnen kürzester Zeit ein interessantes Programm mit großartigen Künstlern auf die Beine zu stellen. Worauf freuen Sie sich besonders in der Festival-Saison 2020?

Die Freude darüber, dass das Festival dieses Jahr stattfinden kann ist im gesamten Team in Grafenegg sehr groß und von allen Künstlern, die wir für das neue Programm angefragt haben, haben wir sehr positive Rückmeldungen bekommen. Alle freuen sich, endlich wieder vor Publikum auf der Bühne zu stehen. Das Programm hält viele musikalische Highlights bereit, darunter das Grafenegg-Debüt der Wiener Symphoniker und ein Wochenende mit den Wiener Philharmonikern als Festivalabschluss. Besonders freue ich mich auch, dass unser Composer in Residence, die Komponistin und Dirigentin Konstantía Gourzí nach Grafenegg kommen wird und selbst die Uraufführung ihres neuen Trompetenkonzerts dirigieren wird.

Wie sieht das neue Sicherheitskonzept aus?

Wir haben gemeinsam mit dem Roten Kreuz, der MedUni Wien und der Landessanitätsdirektion Niederösterreich ein umfangreiches Sicherheitskonzept erarbeitet. Der Schutz unseres Publikums, der Künstler und des gesamten Teams hat dabei oberste Priorität. Wir haben in Grafenegg den großen Vorteil unserer Open-Air-Bühne Wolkenturm und dem großzügigen Areal und Eingangsbereich, was die Einhaltung der aktuell geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vereinfacht. Zusätzlich zum Sitzplatzabstand im Publikum wird es unter anderem separate Wartezonen für den Einlass geben. Um Kontakte weiter zu minimieren, sind die Konzertkarten online zu erwerben und kontaktlos am Areal vorzuweisen. Wir freuen uns einen sicheren Konzertgenuss anbieten zu können, der von den Behörden als ebenso risikoarm eingestuft wird, wie beispielsweise der tägliche Einkauf.

"Die Sehnsucht der Menschen nach Kunst ist groß", ist Philipp Stein überzeugt. Der allgemeine Kartenvorverkauf hat noch nicht gestartet, aber man ist sehr zuversichtlich. © Alexander Haiden

Wo mussten Kompromisse gemacht werden?

Der größte Kompromiss ist sicher das Wegfallen des umfangreichen Rahmenprogramms mit Prélude-Konzerten, Konzerteinführungen, Musik im Park und Late Night Sessions. Und wir müssen auf gutes Wetter hoffen, denn es wird keine Schlechtwetter-Alternative geben. Die Konzerte werden ausschließlich open-air am Wolkenturm stattfinden und müssen bei Wetterlagen, die kein Konzert unter freiem Himmel zulassen, abgesagt werden.

Wie sieht derzeit die Probensituation für die Orchester und Solisten aus?

Auch im Bereich der Probenarbeit von Orchestern gibt es bereits massive Lockerungen, in Wien finden ja bereits CD-Aufnahmen und Orchesterkonzerte mit wenig Publikum statt und da unser Festival erst Mitte August beginnt, bin ich sehr zuversichtlich, dass bis dahin ein weniger eingeschränktes und zugleich sicheres Agieren bei Proben und Konzerten möglich ist.

Wie beurteilen Sie die Sehnsucht der Menschen nach Kunst in Zeiten von Covid-19?

Kunst macht das Leben erst sinnvoll und gerade in der Krise bietet Kunst Antworten. Ich bin gespannt, wie die Menschen nach so langer Zeit auf die Konzerte in Grafenegg reagieren werden. Wir lassen uns überraschen.

Wie hat das Team des Grafenegg Festivals untereinander Kontakt gehalten während der Quarantäne? Waren alle im Homeoffice?

Alle Mitarbeiter, deren Tätigkeit es zulässt, sind nach wie vor im Homeoffice. Natürlich mussten wir neue Kommunikationswege finden, da der informelle Austausch fehlt. Wir haben aber sehr schnell neue Strukturen implementiert, von denen wir auch zukünftig profitieren werden. Auch in Zukunft wird sich die Büroarbeit im Verhältnis zum mobilen Arbeiten verringern und internationale Meetings werden vermehrt online stattfinden.

 

Klang trifft Kulisse: Festivalleiter Stein arbeitet mit seinem Team an einer strategischen Weiterentwicklung Grafeneggs zu einem musikalischen, kulturellen und touristischen Ganzjahresereignis. © Alexander Haiden

Inwiefern hat sich der Mindset der Künstler in den letzten 4 Monaten verändert?

Die Branche ist im totalen Umbruch. Der Gratiscontent vieler Kulturinstitutionen hat qualitativ wie quantitativ einen riesigen Sprung gemacht, denkt man beispielsweise an Konzertstreamings. Nun geht es darum, daraus auch Geschäftsmodelle zu entwickeln. Auch das Risiko internationaler Tourneen wird anders eingeschätzt werden als noch vor vier Monaten. Die Kultur- und Musikbranche wird sich nachhaltig verändern.

Wie sieht es mit dem Kartenverkauf aus? Erwarten Sie eine 100 prozentige Auslastung?

Der allgemeine Kartenvorverkauf hat noch nicht gestartet, aber wir sind sehr zuversichtlich.

 Was wünschen Sie sich für das Festival für die nächsten Jahre?

Gerade haben wir den Bestandvertrag zwischen Grafenegg und der Familie Metternich-Sándor, den Schloss- und Arealbesitzern, um weitere 50 Jahre verlängert und erweitert.  Das ermöglicht uns eine strategische Weiterentwicklung Grafeneggs zu einem musikalischen, kulturellen und touristischen Ganzjahresereignis.

 

A1 ist Hauptsponsor des Grafenegg Festivals.

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