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CO2-Emissionen mit Urban Farming reduzieren

#ConnectLife sprach mit LIFE-Institutsdirektor Franz Prettenthaler über ein Urban-Farming-Projekt am Dach des Science Tower Graz.

Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft betreibt Johanneum Research bzw. das hauseigene LIFE-Institut seit Herbst 2018 ein Urban-Farming-Projekt am Dach des Science Tower Graz. #ConnectLife sprach mit LIFE-Institutsdirektor Franz Prettenthaler.

Herr Prettenthaler, bitte beschreiben Sie das Ziel Ihres Projekts.

Franz Prettenthaler: Wir wollen der Frage auf den Grund gehen, wie die Dächer der Zukunft gerüstet sein müssen, um drei wichtige Funktionen zu erfüllen: die Stadt zu kühlen sowie Lebensmittel und Strom zu produzieren. Der Hitzeinsel-Effekt (dieser beschreibt, dass Bauwerke zu höheren Außentemperaturen im städtischen Raum führen als im nicht oder gering bebauten Umland, Anm.) stellt im Zusammenhang mit dem Klimawandel ein großes gesellschaftliches Problem dar, das auf die Menschheit zukommt. Gleichzeitig wird durch die anhaltende Urbanisierung die Lebensmittelproduktion in der Stadt immer wichtiger. Dadurch können die CO2-Emissionen, die bei der Kühlung und beim Transport anfallen, reduziert werden. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Nutzung von Dachflächen aufgrund der immer knapper werdenden Landressourcen und der Versiegelung von Grund und Boden eine zunehmende Bedeutung erhält.

Der Science Tower der SFL ist der Leuchturm der Smart City Graz, die als „Smart City“ Österreichs im Klima- und Energiefond als Leitprojekt gefördert wird. (c) science-tower.at

Welche Rolle kommt dabei Technologie in Ihrem Projekt zu?

Eine sehr wichtige. Ein wichtiges Projektziel ist es, zu testen, welche Technologien für eine nachhaltige Dachbegrünung wichtig sind. Wir erforschen etwa die Rolle von Licht in der Lebensmittelproduktion – vor allem in der dunklen Jahreszeit. Wir bauen ja ganzjährig an, haben kein geschlossenes Dach und haben uns auch bewusst gegen ein Glashaus entschieden. Letzteres müsste beheizt werden, was schwer mit dem Kriterium der Nachhaltigkeit vereinbar wäre. Wir wollen untersuchen, wie sich dennoch mit LED-Licht der Ernteertrag auf eine energieeffiziente Art und Weise steigern lässt. Wir arbeiten auch mit IoT-Netzen und automatisierten Befeuchtungssystemen. Die Beete sind als Wasserspeicher angelegt. Durch feine Wassernebelverdunstung können die Temperaturen deutlich modifiziert werden.

Wichtig ist auch zu zeigen, dass mit den durchsichtigen Grätzelzellen (auch Farbstoffsolarzelle; dient der Umwandlung von Lichtenergie in elektrische Energie, Anm.) die Ziele Strom- und Lebensmittelproduktion vereinbar sind.

Weiters warten wir auf die Genehmigung für ein Forschungsprojekt, bei dem es darum geht, einen digitalen Zwilling (von Pflanzen) anzulegen, um der Frage der Nachvollziehbarkeit und Ernteprognosen nachzugehen. Dafür kooperieren wir mit dem Institut Digital von JOANNEUM RESEARCH.

 

 

 

"In insgesamt 19 Hochbeeten bauen wir unter anderem Kräuter, Salat (im Winter Asia-Salat, der Minustemperaturen aushält), Tomaten, Mais, Kohlrabi und Brokkoli an. Dazu kommen Feigen, Oliven und Heidelbeeren."

Welche Möglichkeiten wird künftig 5G mit sich bringen?

Ich kann mir vorstellen, dass die Endverbraucher dank 5G noch direkter am Entstehungsprozess teilhaben können. Das hätte einen positiven soziologischen Effekt bzw. würde die Kommunikation der Menschen untereinander sowie ihre Identifikation mit nachhaltiger Nahrungsmittelproduktion fördern. Unsere Stoßrichtung bei dem Projekt ist zunächst aber noch eine andere: Wir wollen eine effiziente und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion auf urbanen Dachflächen sicherstellen. Aber auch dabei spielen die Kommunikation und die digitale Interaktion eine wesentliche Rolle.

 

Was bauen Sie am Dach des Science Tower an?

In insgesamt 19 Hochbeeten bauen wir unter anderem Kräuter, Salat (im Winter Asia-Salat, der Minustemperaturen aushält), Tomaten, Mais, Kohlrabi und Brokkoli an. Dazu kommen Feigen, Oliven und Heidelbeeren. Sie haben sich allesamt bewährt und wurden bereits geerntet. Zu den Kunden gehört etwa das nahe Haubenlokal Streets. Unsere Mitarbeiter können wiederum ein Abo abschließen und ein paar Mal pro Woche ernten.

 

Welche Herausforderungen sind mit dem nachhaltigen Nahrungsmittelanbau auf Dachflächen verbunden?

Neben der Technologie muss alles, was wir benötigen – auch Regenwürmer und die richtigen Mikroorganismen – auf das Dach des Science Tower gebracht werden. Das bedarf einer genauen Planung, denn Dächer in 60 Meter Höhe sind nicht ihr natürliches Habitat. Wir arbeiten zudem mit hochwertigem Substrat und Erde. Die Erde liefert beispielsweise unser Partner Sonnenerde. Jedenfalls wollten wir den Einsatz von Torf vermeiden, einerseits wegen der Notwendigkeit, das Substrat dann alle paar Jahre auszutauschen, und natürlich wegen der negativen Konsequenzen für das Klima. Festzuhalten ist, dass wir insgesamt ausschließlich nach organisch-biologischen Prinzipien arbeiten. Das bedeutet auch, dass Nützlinge bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden.

 

Wie schaut es mit dem Ertrag aus?

Ein Ziel des Projekts ist es auch, herauszufinden, welche Pflanzen welchen Ertrag liefern. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Produktion in den 19 Trögen auf insgesamt nur 100 Quadratmetern hoch ist.

 

Wäre auch eine Produktion in größerem Stil möglich?

Das Konzept ist ausrollbar, die einzelnen Flächen können aber ruhig klein und überschaubar bleiben. Der Reiz ist ja nicht, Liefermengen im großen Maßstab zu realisieren, sondern ausschließlich – um CO2-Emissionen gering zu halten – Abnehmer in der unmittelbaren Nachbarschaft zu bedienen. Das stiftet auch den größten Mehrwert. Wer kann in der Großstadt schon behaupten, dass der Salat, den er gerade isst, vor wenigen Minuten noch ein lebender Organismus war?

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