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Tiny House

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Wohnen im Tiny House

Tiny House

Es sind winzige Häuschen - und sie kommen gerade ganz groß raus: Häuschen beim Weinkeller in Schönberg am Kamp © Elisabeth & Richard Plitzka

Die Minihäuschen sind gefragt. Sie brauchen nur wenig Platz und könnten ein kleiner Baustein gegen die vermehrt existierende Wohnungsnot werden. Nicht nur als ab und zu genutzter Hingucker auf dem Campingplatz, als Gartenhaus oder Ferienunterkunft, zunehmend rücken sie als Eigenheim in den Fokus. Der Trend, der ursprünglich aus den USA kommt, setzt sich immer mehr durch, bei unseren nördlichen Nachbarn ist sogar ein regelrechter Boom zu bemerken. In vielen Gemeinden ist die Neugier geweckt, auf Airbnb und Booking.com werden alle denkbaren Varianten der Zwergenhäuser angeboten und so lässt sich das Tiny House Wohnen einmal frisch-fröhlich testen.
Was bedeutet Tiny House? Das Tiny House Movement (auch Small House Movement genannt) ist eine gesellschaftliche Bewegung mit Ursprung in den USA, die das Leben in kleinen Häusern propagiert. Ein typisches Tiny House ist zwischen 3 und 7 Meter lang, nicht mehr als 2,55 Meter breit, die maximale Höhe beträgt 4 Meter. Ein schlüsselfertiges Tiny House gibt es ab 20.000 Euro Anschaffungskosten. Einen Fertigbausatz gibt es bereits ab einen Preis von 5.000 Euro. Winzige Häuser mit nicht mehr als 8 Quadratmeter Wohnfläche sind auch schon für unter 15.000 Euro erhältlich.
 
Tiny House

Video: Ultramodernes Tiny house in New South Wales, Australien. Quelle: youtube



Hannover baut größte Tiny-House Siedlung in Europa

In Zeiten explodierender Mieten und gewaltiger Wohnungsnot in Großstädten und Ballungsräumen wächst das Interesse an den XS-Behausungen. Die Tiny-House-Projekte sind ein spannender Ansatz, sie können geeignet sein, Wohnraum etwa für Studenten oder Single-Haushalte zu bieten und Städte und Gemeinden in Bezug auf Wohnungsnot zu entlasten. In Hannover soll sogar die größte Tiny-House-Siedlung Europas entstehen. Und zwar klimaneutral, mit hohen Ökostandards und zunächst für gut 210 Menschen, wie dort die Initiative Ecovillage betont. Und wer will in die Zwergenhäuser einziehen? Oft sind es Menschen, die minimalistisch leben, auf Überflüssiges bewusst verzichten und ihren ökologischen Fußabdruck verringern möchten. Auch in Umbruchphasen - nach Trennungen oder Jobwechsel - wird so mancher zum Tiny-Freund. Interessiert sind auch junge Leute, die sich für ein Eigenheim nicht gleich über Jahrzehnte verschulden wollen sowie Mieter, die für 65 Quadratmeter nicht weiter 1200 Euro zahlen wollen. Wer es einmal ausprobieren will, kann sich ja auf diversen Reiseplattformen umschauen, auch in Österreich gibt es das Wohnen auf kleinem Raum zum Testen. Dabei ist natürlich die ansprechende, durchdachte Planung des Interieurs essentiell, ganz nach dem Motto „stylish statt spießig“. Manche Tiny Houses haben nicht nur eine wunderschöne Umgebung und Natur, sondern bestechen durch durchdachte Multifunktionalität.
Tiny House

Trotz der geringen Größe sind die Tiny Houses innen sehr geräumig. © Elisabeth & Richard Plitzka

Wir trafen Elisabeth und Richard Plitzka, die ein Tiny House in Schönberg am Kamp vermieten und über ihre Erfahrungen zum Thema plauderten.

Haben Sie Ihr Tiny House selbst geplant?

Ja, weil wir Platzierung, Dimensionierung und Gestaltung der Funktionalität selbst in die Hand nehmen wollten. Ein besonderes Anliegen war uns die optimale Einbettung in das bestehende Grün. Die Handwerker, allem voran den Zimmermann für den Rohbau, kannten wir schon vom Bau unseres Wohnhauses und hatten da eine solide Vertrauensbasis für die Entwicklung von Lösungen. Statt eines Fundamentes haben wir ein schwebendes Tragwerk über dem bestehenden alten Weinkeller gewählt. Das war eine aufwändige Suche, so etwas gibt es nicht „von der Stange“.

Was war der Anreiz für Sie, ein Tiny House zu realisieren und zu vermieten?

Es begann damit, dass wir unser neues Wohnhaus 2011 ohne eigenes Gästezimmer gebaut hatten – kleiner ist besser, hatten wir uns damals schon gedacht. Unsere liebe Verwandtschaft aus OÖ und dem Burgenland hat dann aber immer wieder unser Arbeitszimmer bezogen und es war klar, dass das für beide Seiten nicht optimal ist. Dann hat noch unsere Nichte, die zeitweise in Australien lebt, ein kleines Häuschen in Österreich gesucht – da begann die Idee zu sprießen, für Verwandte und Freunde einen Platz schaffen, wo man auch für ein paar Tage richtig wohnen kann, ohne dass einem etwas abgeht und zudem sich Nähe aber auch Ungestörtheit locker verbinden lassen.  2017 war es dann soweit, und dann kam uns erst die Idee, dass wir das Häuschen auch vermieten könnten. Mit booking.com ging das dann so problemlos, dass wir jetzt ganz begeisterte Vermieter geworden sind. Wir haben in der Zwischenzeit so viele nette und interessante Menschen kennen gelernt, dass wir alleine deshalb es nicht mehr missen wollen.
Tiny House

Draußen kann man im großen Stil die Seele baumen lassen. © Elisabeth & Richard Plitzka

Beim Leben auf engem Raum geht es vor allem um Optimierung und die Bereitschaft, minimalistisch zu leben. Befreiung oder Einschränkung?

Das hängt wohl vom Menschentyp und der jeweiligen Lebensphase ab, in der der Mensch steht. Wir glauben, dass die Zahl der Personen wächst, für die Minimalismus befreiend empfunden wird  – Mainstream wird das aber in unserer konsumorientierten Welt wohl kaum einer werden. Muss ja auch nicht sein. Tiny Häuser sind aber nicht nur Orte der Reduktion, sondern der intelligenten und kreativen Raumoptimierung – da finden sich ja oft sehr originelle Raumnutzungskonzepte. Wir haben z.B. darauf geachtet, dass ausreichend Stauraum existiert oder im Minibadezimmer immer noch Platz für eine kleine Waschmaschine vorhanden ist, klar dass dann im Mini-Besenkammerl der Wäscheständer Platz finden muss. Die Küchenzeile beinhaltet alles was man zum Kochen braucht und ist von den Materialien so gewählt, dass sie die Wohnlichkeit des Raumes nicht schmälert. Der Esstisch ist für vier Personen – man will ja auch mal Gäste einladen – ein rollbares Stehpult lädt zum konzentrierten Arbeiten ein, die kleine Steroanlage zum Radiohören oder zum Abspielen der mitgebrachten Handy-Musik. Ein Mini-Balkon hat Platz für das Candle Light Dinner, eine schattige Zweierbank von Sträuchern umrahmt zum Chillen mit einem Buch u.s.w. Da kann man sich auch für länger einrichten ohne auf Gewonhntes zu verzichten.

Was ist das Feedback Ihrer Gäste, fühlen Sie sich auf 30 Quadratmeter wohl?

Wir waren überrascht, dass sich bisher alle Gäste so wohl gefühlt haben – was sich auch in der Gästebewertung bei booking.com mit 9,8 niedergeschlagen hat. Da spielt sicher vieles mit – Ausstattung, Freundlichkeit der Gastgeber, regionales Umfeld etc. – aber wir spüren immer wieder, wie sehr gerade das Tiny House Feeling eine Rolle spielt und die optimale Einbettung desselben in bestehenden Baum- und Strauchbestand. Damit haben wir uns auch besonders beschäftigt: Wir haben es etwas über dem Boden schwebend konzipiert und mit Gründach überdacht und vermitteln damit ein sehr individuelles Wohnerlebnis. Nach allen sechs Seiten – mit oben und unten - von Natur umgeben ist halt ganz was anderes als ein Zimmer in einer Appartementanlage.

Glauben Sie, dass Tiny House Projekte, wie sie derzeit in Hannover realisiert werden, dazu geeignet sind, Wohnraum für Studenten oder Single-Haushalte und ein alternatives Wohnkonzept zu bieten?

Studenten und Singels sind sicher ideale Zielgruppen -  die hatten ja immer schon Bedarf an kleinem und leistbarem Wohnraum. In Hannover geht die Sache ja aber auch stark in Richtung wenig Wohnraum, viel Gemeinschaftsraum und wird damit auch von der Idee der Wohngemeinschaft getragen, ist also noch viel mehr als das individuelle Tiny House im Grünen. Aus der Sicht des Flächenverbrauches aber auch der spezifischen Baukosten hat natürlich der verdichtete Wohnbau auch seine Vorteile. Unser Tiny Haus hat keine eigene Aufschließung verlangt, die war ja schon vom Haupthaus da. Und darunter ist wie gesagt mit dem übergrünten Weinkellerstöckl auch schon ein Bauwerk.

Es gibt eine große Kundengruppe, die ihren ökologischen Fußabdruck verringern bzw. autark leben möchte. Wie wichtig war Ihnen die Einbindung von einem Autarkiesystem?

Aus der Sicht von Versorgung und Entsorgung ist unser TGH ja voll an die öffentliche Infrastruktur angeschlossen (Anschlusszwang!). Aus der Sicht der Baumaterialien haben wir uns aber um Nachhaltigkeit bemüht (Dämmung mit Zelluluse, Holzriegelbau, Massivholzdecke, Holztram-Bodenplatte, Gründach, Lehmfarben etc.). Radikale Autarkie-Lösungen sind nicht so einfach zu realisieren, weil im Bauland meist Anschlusszwang besteht und im Grünland kein Wohnraum begründet werden darf.

Sie selbst sind ja sehr am Leben in der Natur und am Gärtnern interessiert. Tiny Houses sieht man ja oft perfekt platziert in der Natur, inwieweit spielt die Umgebung eine Rolle für das perfekte Setting von Häuschen und Natur?

Die richtige Platzierung und Einbettung in die Natur gibt dem Tiny House erst die gewünschte Qualität. Wir haben uns da sehr darum bemüht.
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